Print ist so viel besser als sein Ruf
Viele umweltbewusste Menschen verteufeln Print wegen des Papierverbrauchs. Zu Recht? Papier besitzt eine hervorragende Recycling-Quote. Aber mehr noch: Die Papierindustrie trägt auch dazu bei, dass europäische Wälder wachsen, produziert kaum Emissionen und ist der größte Erzeuger erneuerbarer Energien! Glauben Sie nicht? Lesen Sie die Fakten.

Print wird in der Öffentlichkeit oft als nicht nachhaltig dargestellt. Daher hat die Initiative Online Print (IOP) Fakten zusammengetragen, um aufzuklären. In der Gesellschaft ist der Gedanke, dass Papier der Umwelt schaden würde, weit verbreitet.
Nach einer Umfrage von TwoSides, einer gemeinnützigen, weltweit agierenden Initiative zur Förderung der nachhaltigen Eigenschaften von Druck und Papier, glauben 39 % der europäischen Verbraucher, Papier sei ein verschwenderisches Produkt.
37 % waren der Auffassung, dass Papier und Papierverpackungen schlecht für die Umwelt seien.
Richtig ist aber, dass die europäische Waldfläche größer und nicht kleiner wird. Aktuelle Zahlen belegen, dass die europäischen Wälder täglich um eine Fläche wachsen, die 1.500 Fußballfeldern entspricht. Fakt ist auch, dass sich das Gesamtvolumen der europäischen Wälder heute auf ca. 28 Milliarden m³ beläuft und jährlich um ca. 612 Millionen m³ wächst.
Papier ist Recycling-Weltmeister
So nehmen etwa noch immer 18 % der europäischen Verbraucher an, Papier sei ein Wegwerfprodukt. Das stimmt nicht. Papier ist eines der am besten und häufigsten recycelten Produkte weltweit. Der Faserrohstoff, der in der Papierindustrie europaweit verwendet wird, stammt bereits zu einem Anteil von 56 % aus Recyclingpapier. Mit einer Papier-Recyclingquote von 71 % ist Europa führend in der Welt.
Kaum Emissionen und Erzeugung erneuerbarer Energien
Ein weiterer, wichtiger Aspekt sind Emissionen. Der Papier-, Zellstoff- und Drucksektor verursacht nur 0,8 % der gesamten europäischen Treibhausgas-Emissionen. Im Vergleich mit der Industrie für nichtmetallische Mineralien (5,6 %) und der Metallgrundstoffindustrie (4,8 %) ist dieser Wert sehr gering. Mehr noch: Die europäische Zellstoff- und Papierindustrie ist sogar der größte Erzeuger erneuerbarer Energien. 62 % ihres Energieverbrauchs werden schon heute durch erneuerbare Energien gedeckt. Und auch der technische Fortschritt kommt der Papierindustrie zugute: Ihre Kohlendioxid-Emissionen sind von 1990 bis 2019 um 48 % pro Tonne gesunken.
Um diese Zahlen mal in eine Relation zu bringen: Ein Europäer verbraucht im Durchschnitt 119 kg Papier im Jahr, die etwa einer CO2-Emission von 73 kg entsprechen. Nach etwa 73 Waschladungen bei 60 Grad mit einer modernen Waschmaschine hat man die gleiche Menge an CO2 verbraucht.
Print verschwendet kaum Rohstoffe
Natürlich braucht es zur Herstellung von Papier Wasser. Allerdings werden 93 % des in der europäischen Papierindustrie verbrauchten Wassers zurückgeführt, nachdem es innerhalb der Fabrik gesammelt und ökoligisch aufbereitet wurde. Interessant außerdem: Der durchschnittliche Wasserverbrauch ist seit den 90er Jahren deutlich gesunken, nämlich um 40 % pro Tonne Papier.
Die Papierindustrie nutzt darüber hinaus anerkannte forstwirtschaftliche Zertifizierungssysteme, um sicherzustellen, dass die Frischfasern aus nachhaltigen Quellen stammen und Wälder nachhaltig bewirtschaftet werden. Unsere Wälder wachsen auch dank Papier, und das ist gut so!
Übrigens, fast 100% des bei den Pharmadruckern verwendeten Papiers stammt aus nachhaltiger Forstwirtschaft.

Print informiert vergleichsweise nachhaltig
Mit Drucksachen zu informieren, ist also alles andere als umweltschädlich. Vergleichsweise ist die IKT-Industrie für 5 bis 9 % des Stromverbrauchs verantwortlich. Bleibt der IKT-Fußabdruck unkontrolliert, könnte er bis 2040 auf 14 % der weltweiten Emissionen ansteigen.
Auch das Problem des Elektroschrotts ist gewaltig. Im Jahr 2019 war die Branche weltweit für gigantische 53,6 Millionen Tonnen Elektroschrott verantwortlich. Das entspricht dem Gewicht von 350 Kreuzfahrtschiffen und ist in den letzten fünf Jahren um beunruhigende 21 % gestiegen. Im Jahr 2019 wurden nur 17,4 % des weltweiten Elektroschrotts für das Recycling gesammelt. Die Recycling-Aktivitäten halten also nicht mit dem weltweiten Wachstum des Elektroschrotts Schritt. -
Bilder: Shutterstock, Die Pharmadrucker
Medizinische Beipackzettel = Patientensicherheit
Medizinische Beipackzettel für Medikamente: Papier, digital oder beides? Die Europäischen Kommission überlässt es den Ländern zu entscheiden, ob die Packungsbeilage des Arzneimittels in elektronischer Papierform, oder in beidem vorliegt. Der Umstieg auf ausschließlich die elektronische Version aber birgt Gefahren. Es mangelt an digitalen Kompetenzen in der Bevölkerung und der an Sicherheit der Information.

Derzeit werden Arzneimittelanweisungen einschließlich Dosierung, Lagerung und möglichen Nebenwirkungen in einer schriftlichen, standardisierten Packungsbeilage bereitgestellt, die jeder Arzneimittelpackung beiliegt. Die Regulierungsbehörde der Europäischen Kommission hat beschlossen, dass die Broschüren auch nur in elektronischer Form vorliegen können. Mit anderen Worten, die Plicht Medikamenten eine gedruckte Packungsbelage beizulegen, könnte Deutschland entfallen. Alternativen, wie den Zettel digital in der Apotheke auszudrucken werden diskutiert. Nicht geklärt ist wie dieser Weg sicher funktionieren soll und wer die Kosten dafür trägt.
Ökologische Überlegungen scheinen im Mittelpunkt der Initiative zu stehen. Aber: Papierbroschüren werden zu gut 80 % recycelt und in Deutschland hergestellt. Das Papier stammt aus zertifizierten, europäischen Wäldern, die im übrigen in den letzten 30 Jahren deutlich gewachsen sind. Das ist nachhaltig. Bei „die Phramadrucker“ wird digital gedruckt, das spart zusätzliche Ressourcen und 30% der Primärenergie.
Der Energieverbrauch digitaler Geräte und Rechenzentren stellt dagegen zunehmend große Umweltprobleme dar.
Gedruckte medizinische Beipackzettel sind sicher und barrierefrei
Die Abschaffung von medizinischen Informationsbroschüren in Papierform birgt erhebliche Risiken für die Patientensicherheit, insbesondere für ältere Menschen und diejenigen, die von der digitalen Technologie ausgeschlossen sind. Diese Bevölkerungsgruppen sind auf Papierbroschüren angewiesen, um wichtige Informationen über ihre Medikamente zu erhalten. Ohne sie riskieren sie Medikamentenmissbrauch und gesundheitliche Komplikationen.
Nur die Hälfte (52,2% laut eurostat, 2023) der Deutschen verfügen über grundlegende digitale Kompetenzen. Das bedeutet: Wenn Informationen zu Arzneimitteln nur digital verfügbar sind, könnte dies für einige Patienten ein Risiko darstellen, die die Sicherheit und Wirksamkeit von Arzneimitteln verringern. Die vielgepriesene Barrierefreiheit und der Gleichbehandlungsgrundsatz wären verletzt.
Schließlich ist die Vertraulichkeit der digital zugänglichen Daten nicht eindeutig gewährleistet. Sie sind besonders anfällig für die wachsende Bedrohung durch Cyberangriffe und Manipulationen. Diese Angriffe haben in den letzten Jahren um ein Vielfaches zugenommen.

Selbst die "digitalen" US-Bürger schätzen die gedruckte Packungsbeilge
Wir sind der festen Überzeugung, dass gedruckte Arzneimittelliteratur die primäre Informationsquelle für Patienten und medizinisches Fachpersonal bleiben muss. Nur so ist eine sichere und genaue Bereitstellung von Medikamenteninformationen zu gewährleisten. Das Digitale muss den Druck ergänzen, nicht ersetzen. Echte Zugänglichkeit bedeutet sowohl digitale als auch Papierformate anzubieten.
Übrigens: in den USA gibt es schon lange keine Pflicht zum medizinischen Beipackzettel mehr. Trotzdem ist er nach wie vor in fast allen Medikamentenpackungen enthalten.
Weitere Infos und Schaubilder unter: https://www.mlps-leaflet.org
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